Was ist Integrative Kognitive Verhaltenstherapie?

Die Integrative Kognitive Verhaltenstherapie (IKVT) verbindet die wissenschaftlichen Grundlagen der kognitiven Verhaltenstherapie mit einem differenzierten Verständnis von Denken, Fühlen und Handeln.
Im Zentrum steht die Frage, wie Menschen ihre Erfahrungen verarbeiten, welche persönlichen Überzeugungen und Denkweisen dabei wirksam werden und wie daraus emotionale und Verhaltensreaktionen entstehen. Ziel ist es, problemverursachende oder aufrechterhaltende Denk- und Handlungsmuster sichtbar zu machen, ihre Funktionalität zu überprüfen und – wenn sinnvoll – neue, hilfreichere Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
IKVT versteht Therapie dabei nicht als Vermittlung vorgegebener Wahrheiten. Vielmehr unterstützt sie Menschen dabei, die eigenen Denk- und Bewertungsmuster zu untersuchen und auf dieser Grundlage selbst tragfähige Veränderungen zu entwickeln.
Was macht die IKVT besonders?
Die IKVT baut auf der kognitiven Verhaltenstherapie auf und erweitert deren Perspektive insbesondere durch eine differenzierte Betrachtung kognitiver Prozesse.

Eine wichtige Grundlage ist die Problemorientierte Kognitive Psychodiagnostik (PKP). Sie richtet den diagnostischen Blick nicht allein auf Symptome, sondern auf die individuellen kognitiven Prozesse und Konzepte, die an der Entstehung und Aufrechterhaltung emotionaler Probleme beteiligt sein können.
Ein weiteres zentrales Element ist das SKR-Modell. Es hilft dabei, Situationen, die daran beteiligten kognitiven Prozesse sowie die daraus entstehenden emotionalen, körperlichen und verhaltensbezogenen Reaktionen systematisch zu untersuchen.

Das SAE-Modell (Modell zur Selbstanalyse von Emotionen) führt diese Betrachtung weiter. Es unterstützt dabei, eigene emotionssteuernde Denk- und Bewertungsmuster zu erkennen, kritisch zu überprüfen und gegebenenfalls funktionale Alternativen zu entwickeln.
Damit entsteht ein strukturierter Prozess:
Situation → Wahrnehmen und Verstehen → eigene Denk- und Bewertungsmuster erkennen → Auswirkungen untersuchen → Funktionalität prüfen → Alternativen entwickeln → neue Muster praktisch erproben
Von der Problemanalyse zur Veränderung
Eine IKVT-Behandlung orientiert sich an den individuellen Problemen und Zielen der jeweiligen Person. Der therapeutische Prozess kann dabei verschiedene Schritte umfassen:

(1) Probleme verstehen
Gemeinsam wird geklärt, welche Beschwerden und Belastungen bestehen und wie sie sich im Alltag zeigen.
(2) Zusammenhänge erkennen
Emotionale, körperliche, kognitive und verhaltensbezogene Aspekte werden miteinander in Beziehung gesetzt. Dabei wird untersucht, welche Bedingungen Probleme auslösen oder aufrechterhalten.
(3) Individuelle Ziele klären
Neben konkreten Therapiezielen können auch persönliche Lebensziele und Wertvorstellungen betrachtet werden, sofern sie für die Problematik relevant sind.
(4) Das eigene Erleben verstehen
Die Betroffenen lernen, Zusammenhänge zwischen Situationen, Gedanken, Bewertungen, Emotionen und Verhalten zunehmend selbst zu erkennen.
(5) Denk- und Bewertungsmuster sichtbar machen
Bewusste und weniger bewusste Konzepte und Denkstile werden gemeinsam rekonstruiert und auf ihre Bedeutung für das jeweilige Problem untersucht.
(6) Funktionalität überprüfen
Die eigenen Überzeugungen und Strategien werden nicht einfach als „richtig“ oder „falsch“ bewertet. Entscheidend ist vielmehr die Frage, ob sie im Hinblick auf die persönlichen Ziele hilfreich und angemessen sind.
(7) Neue Möglichkeiten entwickeln
Wenn bisherige Muster als wenig hilfreich erkannt werden, werden gemeinsam alternative Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten erarbeitet.
(8) Veränderung praktisch einüben
Neue Konzepte müssen nicht nur verstanden, sondern angewendet werden. Deshalb spielen Übungen, Imagination, Rollenspiele und die Erprobung im Alltag eine wichtige Rolle.
Die konkrete Ausgestaltung dieses Prozesses richtet sich immer nach der individuellen Problematik und den jeweiligen Therapiezielen.

Die therapeutische Haltung

Ein wesentliches Merkmal der IKVT ist die sokratische Haltung.
Therapeut verstehen sich dabei weniger als Personen, die fertige Lösungen vorgeben, sondern als fachkundige Begleitereines gemeinsamen Erkenntnis- und Veränderungsprozesses. Sie fragen nach, helfen beim Differenzieren, machen Zusammenhänge sichtbar und unterstützen die Patient dabei, eigene Schlussfolgerungen zu überprüfen.
Dabei geht es nicht darum, den Betroffenen eine bestimmte Sichtweise aufzuzwingen. Vielmehr werden die eigenen Überzeugungen und Ziele zum Gegenstand gemeinsamer Reflexion.

Welche Vorstellungen sind für mich hilfreich?
Welche führen immer wieder zu unnötiger Belastung?
Welche Konsequenzen hat eine bestimmte Denkweise?
Und welche alternative Sichtweise könnte besser zu meinen persönlichen Zielen passen?


Auf diese Weise soll Therapie Selbstreflexion, Eigenverantwortung und langfristige Veränderungskompetenzfördern.
Problemorientierte Kognitive Psychodiagnostik

Die Problemorientierte Kognitive Psychodiagnostik (PKP) bildet einen wichtigen Bestandteil des IKVT-Konzepts.
Ausgangspunkt ist die Annahme, dass emotionale Probleme nicht allein anhand sichtbarer Symptome verstanden werden können. Deshalb wird untersucht, welche individuellen kognitiven Konzepte, Grundannahmen und Verarbeitungsmuster in problematischen Situationen wirksam sind.
Dabei interessiert insbesondere:

Wie wird eine Situation wahrgenommen?
Welche Schlussfolgerungen werden daraus gezogen?
Welche Bewertungen entstehen?
Welche persönlichen Regeln oder Grundannahmen spielen eine Rolle?
Welche Strategien werden eingesetzt, um mit der Situation umzugehen?
Welche emotionalen, körperlichen und verhaltensbezogenen Folgen ergeben sich daraus?


Die PKP unterstützt damit eine individuelle und problemorientierte Fallkonzeption, die als Grundlage für die weitere therapeutische Arbeit dienen kann.

Das SKR-Modell
Das SKR-Modell beschreibt einen zentralen Zusammenhang innerhalb der IKVT:
S – Situation
K – Kognitionen
R – Reaktionen

Eine Situation löst dabei nicht automatisch eine bestimmte Emotion aus. Entscheidend ist, wie die Situation wahrgenommen, interpretiert und bewertet wird und welche persönlichen Bewältigungsstrategien dabei aktiviert werden.
Unter „Kognitionen“ werden deshalb verschiedene Prozesse berücksichtigt, beispielsweise Wahrnehmungen und Konzepte, Interpretationen und Schlussfolgerungen, Bewertungen sowie Coping-Strategien.
Bei den Reaktionen werden insbesondere emotionale, physiologische und Verhaltensreaktionen unterschieden.
Das Modell schafft damit eine strukturierte Möglichkeit, das eigene Erleben genauer zu untersuchen und Ansatzpunkte für Veränderung zu erkennen.
Das SAE-Modell – Emotionen verstehen und verändern

Das Modell zur Selbstanalyse von Emotionen (SAE-Modell) ist ein wichtiges Arbeitsinstrument der IKVT.
Es unterstützt Menschen dabei, eigene emotionale Reaktionen Schritt für Schritt zu untersuchen. Ausgangspunkt sind konkrete Situationen und die damit verbundenen Gedanken, Bewertungen und Reaktionen.
Anschließend wird geprüft, ob die zugrunde liegenden Konzepte und Strategien im Hinblick auf die eigenen Ziele hilfreich und angemessen sind.
Wenn sich zeigt, dass bestimmte Denk- oder Verhaltensmuster immer wieder zu unnötiger Belastung führen, können alternative Konzepte entwickelt und anschließend praktisch erprobt werden.
Der entscheidende Schritt ist dabei die Übertragung auf den Alltag: Die neu entwickelten Perspektiven sollen nicht nur im therapeutischen Gespräch verstanden, sondern in konkreten Situationen angewendet und gefestigt werden.

IKVT bei LOGOS
LOGOS möchte die Integrative Kognitive Verhaltenstherapie verständlich, fundiert und anwendungsorientiertvermitteln.
Dabei geht es uns nicht darum, ein starres therapeutisches Schema zu lehren. Wir möchten vielmehr ein strukturiertes Denk- und Arbeitsmodell vermitteln, mit dem therapeutisch und beratend tätige Menschen ihre eigene professionelle Praxis weiterentwickeln können.
Unser Anspruch ist:
wissenschaftlich fundiert denken – differenziert verstehen – praktisch handeln.
Die IKVT bietet dafür ein Modell, das diagnostisches Denken, therapeutische Beziehungsgestaltung, kognitive Arbeit und konkrete Veränderungsübungen miteinander verbindet.